Maßnahmen gegen Geisterfahrten

Warntafeln, Sensoren oder Smartphone-Apps: Diese Maßnahmen sollen gefährliche Falschfahrten verhindern.

03. Mai 2021
4 Minuten

Etwa 1.700 mal pro Jahr warnen Radiosender vor ihnen: Geisterfahrerinnen und Geisterfahrer. Wer in die falsche Fahrtrichtung fährt, stellt eine akute Gefahr für sich und andere dar. Unfälle dieser Art sind zwar vergleichsweise selten, jedoch oft mit großen Sach- und Personenschäden verbunden. So kamen 2019 11 Menschen bei Unfällen mit Falschfahrern ums Leben. Folgende Maßnahmen sollen Verkehrsteilnehmende rechtzeitig warnen, damit sie erst gar nicht zu Geisterfahrenden werden.

Hinweisschilder warnen vor dem falschen Weg

Eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal hat gezeigt: Viele Falschfahrten gehen auf falsches Linksabbiegen an Kreuzungen vor Autobahnauffahrten und Anschlussstellen zurück. Trotz vorhandener Verkehrsschilder „Verbot der Einfahrt“ (weißer Querbalken auf rotem Grund) verwechseln Verkehrsteilnehmende die Einmündung und fahren entgegen der Fahrtrichtung auf die Autobahn.

Shutterstock

Um das zu verhindern, startete 2011 in Bayern ein Pilotprojekt. Dabei stellte man an ausgewählten Autobahnanschlussstellen und Rastplätzen insgesamt 36 sogenannte „Falschfahrerwarntafeln“ auf. Großformatig und auffällig gestaltet sollen sie potenzielle Geisterfahrende warnen, bevor sie in den Gegenverkehr geraten. Zudem wurden die Fahrstreifenmarkierungen vor kritischen Einmündungen verändert. Eine eindeutigere Verkehrsführung soll dort falsches Linksabbiegen verhindern. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen ist nicht eindeutig belegt. Bislang beschränkt sich der Einsatz der Warntafeln auf einzelne Autobahnabschnitte in Bayern.

Sensoren erkennen Geisterfahrende

Ebenfalls in Bayern, auf der Bundesautobahn A 9, befindet sich das „Testfeld Digitale Autobahn“ (DTA). Der Abschnitt zwischen Nürnberg und München ist etwa 140 Kilometer lang. Dort testen die Entwicklerinnen und Entwickler „intelligenter Infrastruktur“ ihre Technologien, unter anderem für das automatisierte Fahren oder Parkleitsysteme für Lkw. Zwischen 2015 und 2017 wurden dort auch telematische Warnsysteme zur Verhinderung von Geisterfahrten erprobt. Diese nutzen Technik aus den Bereichen Telekommunikation und Informatik. An insgesamt drei Anschlussstellen wurden die Systeme verschiedener Hersteller installiert.

Zwar unterscheiden sich die verwendeten Sensoren zur Erkennung von Falschfahrenden (Funkfeld, Induktionsschleife und Radarsensoren sowie Tracking-Radar), ähneln sich jedoch in ihrer Funktion. Innerhalb des Testbereichs sollen sie erkennen, wenn ein Fahrzeug entgegen der Fahrtrichtung unterwegs ist. Gegebenenfalls aktivieren die Systeme sofort Leuchtsignale am Fahrbahnrand, die den Falschfahrer oder die Falschfahrerin warnen. Theoretisch besteht auch die Möglichkeit, richtig fahrende Verkehrsteilnehmende im Umfeld per Lichtzeichen vor einer Geisterfahrerin oder einem Geisterfahrer zu warnen.

Laut Ergebnisbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) waren die Falschfahrerwarnsysteme zum Zeitpunkt der Untersuchung noch recht anfällig für Fehlalarme. Sobald sie zuverlässiger funktionieren, können sie eine hilfreiche Ergänzung sein zur Verhinderung von Geisterfahrten.

Versehentlich selbst zum Geisterfahrenden geworden – und jetzt?

  • Ruhe bewahren, Geschwindigkeit reduzieren.
  • Keinesfalls auf der Autobahn rückwärts fahren oder wenden!
  • Abblendlicht und Warnblinkanlage einschalten, um den entgegenkommenden Verkehr zu warnen, und an den nächsten Fahrbahnrand fahren – auch wenn dieser rechts von Ihnen ist.
  • Das Fahrzeug möglichst dicht an der Leitplanke abstellen, Warnweste anziehen, vorsichtig aussteigen – möglichst nicht durch die fahrbahnseitige Tür – und hinter die Schutzbande stellen.
  • Die Polizei über die Notrufnummer 110 verständigen, den eigenen Standort mitteilen und auf Hilfe warten.

Mit Smartphone-Apps auf der richtigen Spur bleiben

Eine weitere Maßnahme, um Verkehrsteilnehmende vor einer Geisterfahrt zu bewahren, bieten einige Navigations-, Streaming- und Radio-Apps für das Smartphone. Dort kann sie in den jeweiligen Einstellungen aktiviert werden. Im Betrieb gleicht die Software die tatsächliche Bewegungsrichtung des Fahrzeugs mit der erlaubten Fahrtrichtung ab. Letztere ist in einer cloudbasierten Datenbank hinterlegt. Stellt die App fest, dass ein Fahrer oder eine Fahrerin in die falsche Richtung fährt, erscheint ein Warnhinweis auf dem Smartphone-Display und ein akustisches Signal ertönt. Der Clou: Verkehrsteilnehmende im Umfeld des Geisterfahrers oder der Geisterfahrerin werden ebenfalls gewarnt, sofern die Falschfahrerwarnung auf ihren Geräten ebenfalls aktiviert ist. Tipps wie man sich bei einer Falschfahrerwarnung – sei es aus dem Verkehrsfunk oder durch modernere Technologien – verhält, gibt dieser Artikel.

Bosch

Die Falschfahrerwarnung per Smartphone kann hilfreich sein, aber Achtung: Unterwegs ist der Griff zum Handy tabu! Die Benutzung ist gemäß § 23 Straßenverkehrs-Ordnung nur erlaubt, wenn das Gerät in einer Halterung steckt und dazu lediglich eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Witterungsbedingungen angepasste Blickzuwendung zum Gerät erforderlich ist. Darum gilt es, alle erforderlichen Funktionen noch vor Fahrtantritt einzustellen.

Wer fit ist, erlebt kein böses Erwachen

So unterschiedlich die gezeigten Maßnahmen gegen Falschfahrten sind, eines haben sie alle gemeinsam: Sie ersetzen nicht die volle Aufmerksamkeit der Fahrenden. Um nicht zur Geisterfahrerin oder zum Geisterfahrer zu werden, reicht es nicht, sich auf Warntafeln, Sensoren und Apps zu verlassen. Vermeiden Sie Ablenkungen, besonders vor Autobahnauffahrten. Achten Sie auf Beschilderungen und Fahrbahnmarkierungen. Wer sich ausgeschlafen und stressfrei hinters Steuer setzt und vorausschauend fährt, reduziert das Risiko einer Falschfahrt erheblich.

Bilder: Shutterstock, Bosch

RvG LogoBMVI LogoDVR Logo