21 Kilometer Landstraße – zwei Fahrten – ein Leben

Laura fährt mit dem Auto nach Hause. Sie wird dort sicher ankommen. Warum das eine Meldung wert ist:

16. Juni 2021
3 Minuten

Alkoholeinfluss, zu geringer Abstand, Smartphone-Nutzung während der Fahrt oder unangepasste Geschwindigkeit: Die vielen schweren Unfälle auf deutschen Landstraßen haben vielzählige Ursachen und lassen sich doch verhindern – wie Lauras Beispiel zeigt.

Die Ruhe auf dem Land

Laura stammt aus einem kleinen Dorf. Etwa 420 Menschen verteilen sich hier auf insgesamt 14 km2 Fläche. Außen herum: vor allem viel Wald und noch mehr Landwirtschaft. Ruhig und beschaulich ist Lauras Heimat. Deutlich zu ruhig und beschaulich, finden Lauras Freunde – und Laura ebenfalls. Im Moment ist zudem noch weniger los als sonst. Also besucht die 19-Jährige ihre Cousine Simone. Die wohnt mit ihrer Familie nur drei Ortschaften entfernt. Exakt 21,4 Kilometer Fahrt sind das für Lauras roten Golf.

Simones Mann grillt, als Laura eintrifft. Nur ein Kaffee war geplant, aber Laura bleibt zum Essen – und auch noch lange danach. Die Abendsonne ist traumhaft und die Stimmung locker. Erst kurz vor 22 Uhr sitzt Laura wieder in ihrem roten Golf – auf dem Weg nach Hause. Eigentlich fährt sie nicht gerne im Dämmerlicht. Aber was soll schon passieren – gefühlte tausend Mal hat die Abiturientin die kurvenreiche Strecke schließlich schon zurückgelegt. Auf ihrer Fahrt wird Lauras Auto 1,8 Liter Benzin verbrauchen, vier entgegenkommenden Autos begegnen, zehn Songs ihrer Lieblingsband abspielen, 13 Kreuzungen und zahllose jahrhundertealte Bäume am Straßenrand passieren – und am Ende …

Zur letzten Ruhe auf dem Land?

Am Ende ihrer Fahrt kommt Laura sicher zu Hause an. Sie hat an diesem Abend keinen Verkehrsunfall. Denn Laura hat alles richtig gemacht: Sie hat bei ihrer Cousine keinen Alkohol getrunken, hat während der Fahrt keine Songs am Smartphone gewechselt, hat ihre Geschwindigkeit den Sichtverhältnissen angepasst, keine riskanten Überholmanöver unternommen und aufmerksam auf andere Verkehrsteilnehmende, Hindernisse oder Tiere auf der Fahrbahn geachtet. Tatsächlich aber gehen nicht alle Fahrten so glimpflich aus wie Lauras Heimweg – schon gar nicht auf dem Land.

Die Statistik zeigt: Auch im Jahr 2020 war die Landstraße wieder der Ort mit den meisten Verkehrstoten. Insgesamt haben hier 1.592 Menschen ihr Leben verloren, das sind fast 59 Prozent aller Verkehrstoten in Deutschland. Für junge Menschen wie Laura wird vor allem Feiern und Fahren oft zur fatalen Kombination. Aber auch viele ältere, erfahrene Verkehrsteilnehmende unterschätzen noch immer die tödlichen Folgen von Alkohol im Straßenverkehr. Auf Landstraßen halten sich viele Fahrende zudem nicht immer an die Verkehrsregeln oder sind unaufmerksam und begehen leichtfertige Fehler – besonders, wenn sie die Strecke gut kennen. Die Folge: zahlreiche Unfälle mit verheerenden, teils tödlichen Konsequenzen für die Beteiligten.

Fehlerhaftes Fahrverhalten auf Landstraßen:

  • Fahren unter Alkoholeinfluss
  • Fahren mit nicht angepasster Geschwindigkeit
  • zu geringer Abstand zu anderen Fahrzeugen
  • mangelnde Aufmerksamkeit für schwierige Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse oder Tiere auf der Fahrbahn wie z. B. Wildwechsel
  • Fehler beim Abbiegen oder Wenden
  • Nichtbeachten der Vorfahrt
  • Fehlverhalten beim Überholen

#VisionZero

Täglich verunglücken Menschen bei Verkehrsunfällen auf Deutschlands Straßen. Deshalb setzt sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) zusammen mit seinen Mitgliedern und Partnerorganisationen seit über 50 Jahren auf verschiedenen Ebenen dafür ein, den Straßenverkehr für alle Verkehrsteilnehmenden sicherer zu machen. Denn auch wenn individuelles Fehlverhalten die häufigste Unfallursache bleibt, verringert ein sicheres Verkehrssystem die Gefahren, zum Beispiel durch bessere Wege und sichere Kreuzungen. Darum hat der DVR sich der Vision Zero verschrieben: keine Toten und Schwerverletzten mehr im Straßenverkehr.

Laura fuhr an diesem Abend unfallfrei übers Land. Eine gute – und gerade deshalb so wichtige – Nachricht unter so vielen tragischen Unfallmeldungen. Mit etwas mehr gegenseitiger Rücksicht und dem Einhalten wichtiger Verkehrsregeln kann jede und jeder Einzelne für weitere dieser guten Nachrichten sorgen. 

Nicht vergessen: Am 19. Juni 2021 ist Tag der Verkehrssicherheit. #VisionZero

Bis zum 19.6. gibt es darum auf dem Instagram-Kanal des DVR täglich interessante Einblicke und Hintergrundinfos zu Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen.

Wer sich dieses Jahr als Institution oder privat am digitalen Tag der Verkehrssicherheit beteiligen möchte, findet hier ein umfangreiches Social Media Kit mit Grafiken, Logos und Gifs zum Downloaden und Teilen.

 

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