Alles Wichtige über eCall

Pkws und leichte Nutzfahrzeuge müssen ab 31. März 2018 mit dem automatischen Notrufsystem ausgestattet sein.

23. März 2018
2 Minuten

Man stelle sich vor: Ein Pkw-Fahrer ist alleine auf einer wenig befahrenen Straße unterwegs und verunglückt. Der Fahrer ist bewusstlos und kann keinen Notruf absetzen. Es verstreicht wertvolle Zeit. Zeit, die über Leben und Tod entscheidet. Mit dem elektronischen Notrufsystem eCall soll die Zahl der Verkehrstoten in der EU reduziert werden. Ab 31. März 2018 ist das System für neue Fahrzeugtypen Pflicht.

Neuwagen werden ab Ende März in der EU nur noch genehmigt, wenn sie mit dem automatischen Notrufsystem eCall (emergency call oder automatischer Notruf) ausgestattet sind. Das gilt für neue Fahrzeugtypen der Klasse M1. Dazu zählen Pkw mit höchstens acht Sitzplätzen und einem Fahrersitz. Ebenfalls müssen neue Lkw und Lieferwagen mit höchstens 3,5 Tonnen Gesamtmasse der Klasse N1 über eCall verfügen.

So funktioniert es

eCall wird bei einem schweren Verkehrsunfall aktiv. Crash-Sensoren übermitteln – etwa beim Auslösen des Airbags – Daten an das eCall-System. Letzteres setzt automatisch einen 112-Notruf an die Notrufzentrale ab. Dabei werden die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) und die Positionsdaten des Unfallfahrzeugs übermittelt. Anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer kann die Rettungsleitstelle weitere Daten beim Kraftfahrtbundesamt abrufen. Dazu zählen beispielsweise Daten zur Antriebsart. Sollte der Verunglückte bei Bewusstsein sein, kann die Rettungsleitstelle über das Mobilfunknetz eine Sprachverbindung herstellen. Verunglückte können die 112 außerdem manuell per Knopfdruck wählen.

Rettungsdienste verlieren keine Zeit

Das eCall-System kann in der Europäischen Union jährlich voraussichtlich einige hundert Menschenleben retten und die Folgen schwerer Verletzungen bei zehntausenden Unfallopfern mildern. Die EU-Kommission erwartet, dass Rettungsdienste schneller vor Ort sind: In Städten soll sich die Reaktionszeit um bis zu 40 Prozent reduzieren. In ländlichen Gebieten um bis zu 50 Prozent.

Wissen Sie was zu tun ist, wenn Sie an einen Unfallort kommen? Nein? Keine Sorge! Merken Sie sich einfach: „Schützen, Melden, Helfen“. Was genau das heißt, erklärt dieser Animationsfilm.

Europaweit die 112

Die EU-Mitgliedstaaten haben 1991 beschlossen, die Notrufnummer 112 europaweit einzuführen. Auch das eCall-System nutzt diese Nummer. Um die 112 bekannter zu machen, wurde 2009 auf Initiative des Europäischen Parlaments der „Europäische Tag des Notrufs 112“ ins Leben gerufen, der jährlich am 11. Februar stattfindet.

Können Fahrer älterer Pkw eCall nachrüsten? Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) gibt es derzeit noch keine Nachrüstsysteme, die die gesamte eCall-Funktionalität gemäß Vorschrift abdecken. Es gibt jedoch Nachrüstlösungen mit Notruffunktion von Drittanabietern, beispielsweise von Kfz-Versicherern.

Und der Datenschutz?

Die Verbraucher müssen vollständig darüber informiert werden, welche Daten zu welchem Zweck übermittelt werden. Mit dem reinen eCall System gemäß Vorschrift kann beispielsweise kein Bewegungsprofil erstellt werden. Laut EU-Verordnung ist klar: Die Daten werden ausschließlich an die verantwortliche Rettungsleitstelle übermittelt. Die Informationen zum Fahrzeugtyp oder etwa zur Antriebsart werden nicht an Dritte weitergegeben.

 

Fotos: dpa

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