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Angehörige von Unfallopfern

Sie werden oft vergessen: Hinterbliebene von Verkehrsopfern. Dabei sind es jährlich mehrere tausend Menschen, die um ihre Kinder, Freunde oder Familien trauern. Sie müssen sich oft ein Leben lang mit dem schmerzhaften Verlust auseinandersetzen.

Mit dem Schmerz leben lernen: Angehörige von Unfallopfern.
In trauriger Mission: Notfallseelsorger Andreas Müller-Cyran.
Verschiedene Wege: Wie Menschen mit Trauer umgehen.
Tragische Nachrichten: Polizeireporterin Claudia Keikus im Interview.
Prävention und Aufklärung: Die Wanderausstellung "Jeden kann es treffen".
Wichtige Links

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Mit dem Tod leben: Angehörige |br|von Unfallopfern
Wenn ein Mensch auf der Straße sein Leben verliert, ändert sich von einem Moment auf den anderen auch das Leben seiner Familie und Freunde. Die, die zurück bleiben, werden von Trauer, Fragen oder Schuldgefühlen geplagt – meistens für immer.
10.11.2009 - Berlin

„Den eigenen Tod, den stirbt man nur – den Tod der anderen muss man leben.“ – Diese Zeilen stammen aus einem Gedicht einer Mutter, die ihren Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren hat. Brigitte Stölzel liest ihn vor, wenn sie – zusammen mit einem Polizisten und einem Mitarbeiter des Notfalldienstes – die Schulen in ihrer Umgebung besucht, um vor Alkohol am Steuer und unangepasster Geschwindigkeit zu warnen. Die 60-Jährige möchte durch Aufklärungsarbeit die Eltern der Schüler vor einem Schicksal wie dem ihren bewahren: Ihre Tochter Stefanie ist 1999 im Alter von 23 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Das Auto prallte frontal auf ein entgegenkommendes Fahrzeug.



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Das Klingeln an der Tür
Die Nachricht vom Unfalltod eines Angehörigen überbringen üblicherweise zwei Polizisten und ein Mitarbeiter der psychosozialen Notfallversorgung. Andreas Müller-Cyran, Leiter der Münchner Krisenintervention, berichtet von solch einer traurigen Mission.
10.11.2009 - Berlin

Der Anruf erreicht mich auf dem Handy. Es meldet sich ein Polizeibeamter und sagt mir, wo die Angehörigen des Unfallopfers wohnen. Seit dem tödlichen Unfall ist etwas mehr als eine Stunde vergangen. Die Polizei hat in der Zwischenzeit die Identität des Toten und seinen Wohnort ermittelt. Ich habe das alles schon mehr als hundert Mal erlebt, doch es ist immer wieder eine belastende Situation, eine Todesnachricht zu überbringen – und manche Fälle gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. So wie vor einigen Monaten hier in München. Ein junger Mann, Vater von zwei Kindern, pendelte zwischen Nürnberg und München und ist an einem Freitagnachmittag auf der A8 in der Nähe von Nürnberg ums Leben gekommen.



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Die Trauer teilen
Mit dem Verlust eines geliebten Menschen gehen die Angehörigen ganz unterschiedlich um. Immer mehr wählen den Weg der öffentlichen Trauer, um der Toten zu gedenken und zu mahnen: Manche stellen Kreuze an die Unfallstelle, andere gestalten eine Webseite.
10.11.2009 - Berlin

Zwei Bretter, ein Vorname, ein Datum – simple Kreuze dieser Art säumen Landstraßen und Alleen in ganz Deutschland. Manchmal stehen Kerzen dabei, manchmal schmücken auch Blumen das Kreuz. Diese zumeist schlichten Denkmäler lassen nur erahnen, welche persönlichen Schicksale sich dahinter verbergen. Sie markieren jene Stellen, an denen ein Verkehrsunfall einem Leben ein plötzliches Ende gesetzt hat – und mahnen so die vorbeifahrenden Auto- und Motorradfahrer zu mehr Vorsicht. Zugleich dienen die hölzernen Mahnmale den Hinterbliebenen der Unfallopfer als Ort, um ihren Toten zu gedenken – sie sind eine Form der öffentlichen Trauer, die Tausende von Angehörigen gewählt haben.



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„Jeder Todesfall macht mich |br|traurig“
Als Polizeiredakteurin beim Berliner Kurier hat Claudia Keikus immer wieder mit Verkehrsunfällen sowie mit den Angehörigen der Opfer zu tun. Im Interview berichtet sie über ihren Alltag und den Umgang mit Betroffenen.
10.11.2009 - Berlin

Frau Keikus, wann hatten Sie das letzte Mal beruflich mit einem tödlichen Autounfall zu tun?
Wir haben sehr oft mit Verkehrsunfällen zu tun, der letzte mit Todesfolge passierte vor etwas mehr als einer Woche. Ein 31-jähriger Mann fuhr mit seinem Smart durch einen Zaun in die Hauswand einer Bäckerei in Köpenick. Sein Fahrzeug hinterließ dort ein großes Loch.



„Jeden kann es treffen.“
Eine Wanderausstellung verleiht den Unfallzahlen ein Gesicht. Auf mehr als 40 Tafeln erzählen Angehörige, Unfallopfer sowie -Verursacher von den Momenten, die ihr Leben verändert haben.
10.11.2009 - Berlin

Pias Freund starb in ihren Armen auf der Autobahn, Sylvia und Uwe haben ihre Tochter bei einem Autounfall verloren, Waltrauds Vater ist tödlich verunglückt, als sie 17 Jahre alt war. Und Monikas zwei Söhne sind beide in Folge von Motorradunfällen gestorben. Die Schicksale, von denen die Wanderausstellung „Jeden kann es treffen“ erzählt, gehen unter die Haut – sie zeigen, wie ein kurzer Moment ein Leben auslöscht und das Leben der
Hinterbliebenen drastisch verändert.



WICHTIGE LINKS

www.jeden-kann-es-treffen.de
Präventionsprojekt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. In persönlichen Texten schildern Unfallopfer, Hinterbliebene und Helfer ihre Erlebnisse und geben den Unfallzahlen damit ein Gesicht.

www.notfallseelsorge.de

Psychosoziale Notfallversorgung. Die Seelsorge richtet sich an die Unfallopfer, die Hinterbliebenen, Zeugen, Helfenden (auch für Angehörige der Rettungsorganisationen).

www.degpt.de
Die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V fördert das Wissen im Bereich der psychischen, biologischen sowie sozialen Grundlagen und Folgen von Stresssituationen auf traumatische Lebensereignisse.

www.krisenintervention-muenchen.de

Das Krisen-Interventions-Team (KIT) München bietet Hilfe für akut psychisch traumatisierte Menschen bei (Verkehrs-) Unfällen.

www.krisenintervention.org
Der KED e.V. Förderwerk Krisenintervention im Einsatz Dienst e.V.bietet schnelle Hilfe für traumatisierte Menschen, Betreuung und Begleitung von Angehörigen und Hinterbliebenen sowie bei der Überbringung von  Todesnachrichten und der Kinderbetreuung im Notfall.

www.close-to.net
EU-Projekt zur Unfallprävention bei Fahranfängern. Betroffene und Verursacher von Unfällen sowie Hinterbliebene gehen in die Fahrschulen und berichten den Fahranfängern von ihren Erlebnissen und Erfahrungen im Straßenverkehr.

www.veid.de
Der Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V. bietet Hilfe für trauernde Mütter, Väter, Geschwister, Großeltern und Menschen, die sie begleiten möchten.